Pond of Poverty

Teich der Armut

In den großen Tiefen der Armut lauert eine Art ständiger Sorge.

Obwohl diese Sorgen gefühllos sind, entstehen große Wellen von schattenverhangenen Alpträumen einfach beim Gedanken an sie, die jeden Tag die Zufriedenheit in den alltäglichen Haushalten stetig aufsaugen. Es ist ein allgegenwärtiges Problem, das weder die Zivilbevölkerung noch die Regierung in Frage stellen wollen – denn was könnte passieren, wenn wir das wenige Vertrauen, das wir noch haben, zerstören?


Obwohl viele wohlhabend waren, können nur sehr wenige ein scheinbar vorbestimmtes Schicksal ändern. Viele von uns freuen sich über den Gedanken an üppig verkleidete Wände, glänzende Währungen und boomende Industrien – doch wir hören nie auf, uns aufrichtig bei den Leidenden zu entschuldigen, damit wir unsere Selbstverwirklichung weiter praktizieren können. Sicherlich sind wir immer noch eine sentimentale Spezies?


Weit entfernt, in Malindi, streichelt eine Welle sanft einen hellen, glitzernden Strand: Ein welker Mann mit grauem Haar auf dem Kopf geht mit einem leichten Hinken auf die Stelle zu, die die Welle überspült hat, als ob er sie fangen könnte er strengt sich nur an – auch wenn es ihm bis ins Herz schlägt. Die Tasche, die er über die Schulter gehängt hat, ist voll mit allerlei seltsamen Eintagsfliegen, und mit Sorgfalt und Abscheu füllt der Mann sie jeden Morgen mit Plastikmüll, in der Hoffnung, einer unterlegenen Sache zu helfen.

Er bleibt stehen, Fußspuren ziehen sich hinter ihn, seine Augen werden weicher. „Oh je“, flüstert er.

Mit gealterten Händen, die Haut vor Anstrengung an seinen brüchigen Knochen hängend, hebt er sanft ein rostiges Medaillon auf; er kann sich die goldene Farbe vorstellen, die es einmal gehabt haben muss. Darin befindet sich ein ausgeschnittenes Bild eines kleinen Jungen: Er sieht dürr aus, ist aber in den Augen seiner Mutter sicherlich gutaussehend. Seine Augen starren in den Himmel, als sehnten sie sich danach, in seinen weichen Wolken zu schwimmen.
Der alte Mann runzelt die Stirn. Seine Augen leicht nach oben flackernd, sieht er Worte, die in das goldene Medaillon eingraviert sind; ein Leben ohne Opfer bleibt der Liebe unwürdig.
Schweren Herzens legt er das Medaillon noch einmal auf den Boden, damit vielleicht eine andere Seele es findet. Armut betrifft alle Arten von Menschen: Unsere Lösung kann letztendlich nicht schlichte Ignoranz sein. Wenn wir die Augen vor der Zerstörung verschließen, verlieren wir folglich genau das, was uns zu Menschen macht: den Instinkt, sich um andere zu kümmern und für sie zu kämpfen.
Obwohl es eine Katastrophe sein mag, ist die Armut, in der viele jeden Tag ertrinken, tatsächlich umkehrbar. Mit Zeit, Mühe und einfachen Taten der Freundlichkeit ist die Aufgabe, einen wunderbar vielfältigen Ort zu erneuern, in der Tat  unmöglich.
 
Thea Hörnberg

Bildnachweis: Privat für GIVEWATTS

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